Kiderbibeltage 2017, Rückblick

Mit Martin auf Entdeckertour – Die Kinderbibeltage auf den Spuren Martin Luthers

Vor den Osterfeiertagen trafen sich drei Nachmittage lang rund 40 Kinder zu den ökumenischen Kinderbibeltagen. Diese standen im Reformationsjahr – wie sollte es anders sein – ganz im Zeichen Martin Luthers. Die Kinder begleiteten ihn an den drei Nachmittagen von seiner Kindheit über seine Zeit im Kloster und dem Reichstag in Worms bis hin zu seiner Zeit auf der Wartburg, die im abschließenden Gottesdienst im Mittelpunkt stand.
Dabei beschäftigten sich die Kinder und Mitarbeiter mit vier thematischen Schwerpunkten:

1.    Gefangen in Angst – Martin entdeckt, was Mut macht
Der kleine Martin wächst in einer Zeit auf, die geprägt ist von Angst. Die Menschen damals fürchteten sich vor der Natur, vor Dämonen und Geistern und vor Gott.
Auch als junger Student kann sich Martin nicht von dieser Angst befreien. Als unterwegs der Blitz neben ihm einschlägt, verspricht er, Mönch zu werden. Vielleicht wird es im Kloster besser mit seiner Angst? Martin entdeckt in der Bibel einen Mutmach-Satz:
Christus spricht: in der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden (Joh. 16,33; Lutherübersetzung).

Auch wenn wir heute in unserer aufgeklärten Zeit Vieles erklären können und uns nicht mehr vor Dämonen oder dem Nachtkrapp fürchten, so kennen wir und vor allem Kinder das Gefühl der Angst. Angst im Dunkeln, vor dem Alleinsein, vor Monstern unter dem Bett, aber auch vor Terroranschlägen oder Donald Trump nannten die Kinder bei der Gesprächsrunde. Wie gut, wenn man dann Wege kennt, um mit der Angst umzugehen.
Das können die Eltern sein, die einen in Arm nehmen oder mit denen man über seine Angst reden kann, Freunde oder auch das Kuscheltier, das tröstet.
Martins Mutmach-Satz kann auch uns helfen. Wir haben ihn für uns so übersetzt:
Jesus ist stärker als alles, was uns Angst macht

2.    Unerfüllbare Ansprüche – Martin entdeckt die Gnade
Auch im Kloster findet Martin keine Ruhe. Er hat das Gefühl, dass er Gott niemals gerecht werden kann. Was er auch tut, immer findet er etwas, was er falsch gemacht hat, sei es ein undankbarer Gedanke oder ein unbedachtes Wort. Auch in der Beichte findet er keine wirkliche Befreiung. Beim Bibelstudium stößt er schließlich auf einen befreienden Satz:
Also steht fest: Nicht wegen meiner guten Taten werde ich von meiner Schuld freigesprochen, sondern allein deshalb, weil ich mein Vertrauen auf Jesus Christus setze. (Röm.3,28;  Hoffnung für alle)
Er begreift, dass er auch ohne gute Taten von Gott angenommen ist und sich Gottes Gnade nicht verdienen oder erkaufen lässt. Diese Erkenntnis bringt ihn in Konflikt mit der Kirchenpraxis, die den Leuten Ablassbriefe als Eintrittskarte ins Paradies verkauft.

Auch Kinder leiden unter hohen Ansprüchen und Erwartungen, die in sie gesetzt werden. Die Lehrer erwarten, dass Hausaufgaben gründlich erledigt werden und auf Tests gelernt wird, Eltern wollen gute Noten sehen, außerdem soll das Zimmer aufgeräumt sein, für den Musikunterricht soll regelmäßig geübt werden, und, und, und. Zudem soll man immer höflich und freundlich sein und sich benehmen.
Kein Wunder, dass Anspruch und Wirklichkeit häufig nicht übereinstimmen.
Wie gut, dass Gott da gnädiger mit uns umgeht. Wir können sein, wie wir sind und müssen uns seine Liebe nicht verdienen.

3.    Dafür stehe ich ein – Martin entdeckt die Kraft Gottes
Martin hat erkannt: Das Vertrauen zu Gott macht stark. Und so ist er allein der Bibel und dem eigenen Gewissen verpflichtet. Deshalb wagt er es auch, der Kirche und dem Kaiser die Stirn zu bieten und auf dem Reichstag in Worms seine Meinung zu vertreten. Auch hier ist ihm ein Bibelvers eine besondere Stütze:
»Meine Gnade ist alles, was du brauchst! Denn gerade wenn du schwach bist, wirkt meine Kraft ganz besonders an dir.« (. 2. Kor 12,9;  Hoffnung für alle)
Dies ist nicht nur mutig, sondern auch gefährlich: ohne den Schutz seines Kurfüsten wäre Martin sicher nicht so glimpflich davon gekommen.

„Basta!“ „Es wird so gemacht, wie wir sagen!“ „Da gibt es keine Diskussion!“ Kinder erleben gegenüber Erwachsenen häufig, wie ohnmächtig sie sind. Sie möchten aber gerne ihre Meinung vertreten und ernst genommen werden. Das ist manchmal ganz schön schwierig. Auch gegenüber Gleichaltrigen, die leicht das Urteil über einen fällen und bei denen Andersdenkende schnell „unten durch“ sind.

4.    Die Bibel – Martin entdeckt den Schatz fürs Leben
Martin lebt als Junker Jörg in Schutzhaft auf der Wartburg. Beim Arbeiten über der Bibel entdeckt er sie ganz neu als Schatz fürs Leben. Sie wird für ihn immer mehr zur Richtschnur und Kraftquelle für den Glauben. Dies sollen alle Menschen selbst erfahren können. Deshalb möchte er, dass die Bibel so verständlich übersetzt wird, dass sie alle verstehen. Als Zeichen für das Zentrum des Glaubens legt er sie für alle frei zugänglich auf den Altar. Dies ist der Anfang für den mündigen Glauben jedes einzelnen.


Neben den Anspielen und Gesprächsrunden zu den thematischen Einheiten gab es natürlich noch andere Aktionen, die die 10 Mitarbeiter vorbereitet hatten: in einem Hausspiel machten die Kinder das Gemeindehaus unsicher, es wurden Kopfreife oder Ritterschilder gebastelt, Karten mit Kartoffeldruck gestaltet und Reformationsbrötchen gebacken und am dritten Tag in verschiedenen Stationen die Kirche erkundet. Ein besonderer Dank gilt hier Herrn Thomann und Herr Höfer für die Kirchturmführung und Herrn Schumacher für die ausführliche Erklärung der Orgel.
Aber auch Geschicklichkeitsspiele oder ein Luther-Quiz waren dabei.

Auch das Erkennungszeichen Martin Luthers, die Lutherrose, durfte natürlich nicht fehlen. Diese wurde von den Kindern als eigener Namensbutton gestaltet und begleitete sie durch die drei Tage.

Schwarzes Kreuz: das Kreuz Jesu ist das  Zentrum des Glaubens und steht deshalb in der Mitte
Rotes Herz: als Zeichen für unser Leben. Das Kreuz Jesu in der Mitte des Herzens hält das menschliche Leben lebendig. Zudem ist es ein Zeichen für Gottes Liebe zu uns
Weiße Rose: die Rose als festlichste Blume und weiß als Farbe der Engel. Der Glaube an Gott gibt Freude, Trost und Friede und kann jeden Tag als Fest gefeiert werden
Blauer Hintergrund: blau als Farbe des Himmels. Unser Leben ist in Gottes Ewigkeit geborgen
Goldfarbener Ring: der Ring hat keinen Anfang und kein Ende. Er ist unendlich und hält alles zusammen. Zudem ist er in seiner goldenen Farbe sehr wertvoll.


Die Kinderbibeltage wurden wieder in ökumenischer Zusammenarbeit verantwortet und durchgeführt. Vielen Dank den 8 Jugendlichen, die die Kinderbibeltage so toll vorbereitet und gestaltet haben und auch beim Anspiel voller Elan dabei waren.          Heidrun Schönberg