Konfirmation - früher und heute (aus den Gemeindebriefen von Oktober und Dezember2014)

Konfirmation - früher und heute (Teil 1, aus dem Gemeindebrief vom  Oktober 2014)

Mit einer kleinen Reihe bis zur nächsten Konfirmation im Mai 2015 soll hier im Gemeindebrief das Thema Konfirmation beleuchtet werden. Seit wann gibt es die Konfirmation, wozu gibt es sie und wie hat sie sich im Laufe der Zeit verändert.

ln der späten mittelalterlichen Kirche wurde das Sakrament der Firmung (confirmatio) eingeführt. Dadurch wurde den Getauften der Heilige Geist zur Kräftigung übermittelt, um sie im Bekenntnis und im christlichen Leben zu stärken. Die Reformatoren lehnten dieses Sakrament ab, weil die Taufe keine Ergänzung brauche, sondern mit ihr die Vergebung der Sünden und das neue Leben voll umfänglich geschenkt sei.

Jedoch entwickelte sich schon im 16. Jahrhundert in den reformatorischen Kirchen eine Handlung, die als Konfirmation bezeichnet wurde.

Der Ausgangspunkt war die Unterweisung der Jugend durch den Katechismus. Es war ein wichtiges Anliegen der Reformation, dass jeder Christ über die wichtigen lnhalte des christlichen Glaubens Bescheid wissen sollte und ein eigenes Urteilsvermögen in Glaubensdingen haben solle. Dafür hat Martin Luther den Großen und Kleinen Katechismus verfasst: für die Unterweisung der Jugend, aber auch für eine lebenslange Beschäftigung damit. Die Unterweisung diente auch dazu, mit Verständnis am Abendmahl teilzunehmen.

So hat zu der frühen Form der Konfirmation das Bekenntnis (Katechismusprüfung) und die Zulassung zum Abendmahl gehört. Martin Bucer, der Reformator Straßburgs, ist der eigentliche Begründer der evangelischen Konfirmation. Folgende Elemente gehörten dazu und sind bis heute mit prägend:

- Lehre des christlichen Glaubens
- ein eigenes Bekenntnis
- die Bestätigung der Zugehörigkeit zur
christlichen Gemeinde
- die Jugendlichen treten vor die Gemeinde
- die Fürbitte der Gemeinde
- die Handauflegung

Es folgte das Abendmahl der Konfirmanden mit Eltern und Paten. So knüpfte die Konfirmation an die Taufe an und führte zum Abendmahl hin.

ln den folgenden Jahrhunderten wurden bestimmte Aspekte betont oder weitere kamen hinzu.

Der Pietismus legte Wert auf die Frömmigkeitspraxis (,,Der Kopf soll ins Herz kommen", so Ph.J. Spener) und auf das eigene Bekenntnis. ln der Zeit der Aufklärung kam der biografische Aspekt hinzu: die Konfirmation als Übergangsritus vom Jugend- ins Erwachsenenalter.

Seit 1722 gibt es in Württemberg die regelmäßige öffentliche Feier der Konfirmation. lmmer wieder gab es Reformbestrebungen. So gab es Versuche, die Konfirmation in zwei Schritten zu feiern: zunächst die kirchliche Unterweisung mit einer Entlassfeier. Als zweiter Schritt eine weitere Unterweisung, die mit Handauflegung und der Zulassung zum Abendmahl zu einer intensiveren Zugehörigkeit zur christlichen Gemeinde führt.

Dies hat sich so nicht durchgesetzt. ln den letzten 30 Jahren ist die Konfirmandenarbeit stark im Umbruch. Was sich verändert hat, davon mehr im Dezember-Gemeindebrief.

Konfirmation - früher und heute (Teil 2, aus dem Gemeindebrief vom  Dezember2014)

Konfirmandenunterricht
(KU) - da denken viele an Lieder und Katechismusstücke, die auswendig gelernt wurden, an die Aufregung, bei der Konfirmation nur ja nicht stecken zu bleiben, an ihren Pfarrer und Konfirmator mit seinen Stärken und Schwächen.

So war der KU über Jahrhunderte geprägt und die gelernten Verse haben Leben und Glauben begleitet. Doch jede Zeit hat ihre eigenen Formen von Lernen und Glauben. Mit einer sich verändernden Lebenswelt hat sich auch der KU verändert.

"Mit Kindern und Jugendlichen auf den Weg des Glaubens"- so ist die Rahmenordnung für die Konfirmandenarbeit in Württemberg, die im Jahr 2000 erschien, überschrieben.

Der Titel saglt schon Wesentliches aus:
1. Mit Kindern und Jugendlichen...:
Die Kinder und Jugendlichen werden zuerst genannt. Sie sind im Blick. lhre Erfahrungen und ihre Fragen soll der KU aufnehmen und ins Gespräch bringen mit den Kernstücken des Glaubens, wie Taufe oder Abendmahl, Gebet und Gebote. Nicht die Lehre im klassischen Sinn steht dabei im Mittelpunkt, sondern das gemeinsame Erkunden. Das führt zum zweiten Punkt:

2. ...auf den Weg des Glaubens: Glaube wird als ein Weg beschrieben, den Menschen gehen, der sich auch verändert. Auf den Weg des Glaubens macht sich die ganze Gemeinde mit den Kindern und Jugendlichen. Der Pfarrer und die Pfarrerin sind nicht die einzigen Personen, die die Konfirmanden begleiten. Die Jugendlichen lernen die Gemeinde kennen, z.B. durch ein Praktikum. Sie gestalten Gottesdienste mit. Jugendmitarbeiter begleiten den KU oder laden zu Gruppen oder Jugendgottesdiensten ein. So sollen sie verschiedene Menschen kennen lernen, die als Christen ihr Leben gestalten. Es ist ein gemeinsamer Weg, auf dem alle etwas einbringen und alle etwas für sich erfahren und lernen
können.

Die Württembergische Landeskirche hat in den vergangenen 20 Jahren mit großem Elan und personellem Einsatz die Konfirmandenarbeit vorangetrieben und verändert, um Jugendliche von heute auf den Weg des Glaubens einzuladen und sie in ihren Fragen zu begleiten. Ein besonderes Augenmerk wurde darauf gerichtet, die Jugendlichen aller Schularten und in ihren unterschiedlichen Begabungen anzusprechen. Die Zugänge zu den Themen sind nicht in erster Linie kognitiv, sondern erfahrungsbezogen.

Bei der Vorstellung der diesjährigen Konfirmanden im Gottesdienst war die Gemeinde eingeladen, Wünsche und Gedanken für die Jugendlichen aufzuschreiben. Einiges von dem, was sich verändert hat, kam auch da zur Sprache. Hier sind einige Gedanken:

  • lch wünsche für die Konfirmanden, dass ihnen das Wort Gottes fröhlich und nicht so todernst wie mir vor 60 Jahren verkündet wird.

  • lch wünsche mir, dass alle Konfirmanden unvoreingenommen in die Gemeinde aufgenommen werden und dass wir alle unsere unterschiedlichen Glaubensvorstellungen teilen können und eine Gemeinschaft sind.

  • lch wünsche mir, dass der KU Spaß macht, um die Nähe zu Gott zu finden.


(Pfarrerin Renate Egeler)